
Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist die Kunst, einen stärkeren und größeren Gegner durch Technik, Hebel und Würgegriffe zu besiegen. Es ist das intellektuellste aller Kampfsportsysteme – oft als „Schach auf der Matte“ bezeichnet.
„In Jiu-Jitsu wins the one who knows, not the one who is strong.“ – Helio Gracie
Geschichte des Brazilian Jiu-Jitsu
Von Japan nach Brasilien
BJJ hat seine Wurzeln im japanischen Judo und Jiu-Jitsu:
- 1914: Mitsuyo Maeda (japanischer Judoka) kommt nach Brasilien
- 1917: Maeda beginnt, Carlos Gracie zu unterrichten
- 1925: Carlos und sein Bruder Helio Gracie gründen die erste BJJ-Akademie in Rio de Janeiro
- Helio Gracie: Klein und schwach, modifiziert er Techniken, um Kraft durch Hebelwirkung zu ersetzen – die Geburt des modernen BJJ
Der Gracie Challenge
- Die Gracies forderten jeden Kämpfer heraus: „Komm und kämpf gegen uns!“
- Vale Tudo (alles geht): Kämpfe ohne Regeln bewiesen die Überlegenheit von BJJ
- Helio besiegte größere Boxer, Ringer und Karateka durch Würger und Hebel
BJJ erobert die Welt
- 1993: Royce Gracie gewinnt UFC 1 – ein 78kg BJJ-Kämpfer besiegt deutlich schwerere Gegner
- 1990er-2000er: BJJ wird zur Pflicht im MMA – kein Champion ohne BJJ-Kenntnisse
- Heute: Millionen praktizieren BJJ weltweit, vom Hobbysportler bis zum Elitesoldaten
Legenden des BJJ
- Helio Gracie: Der Gründervater – kämpfte bis ins Alter von 42
- Rickson Gracie: Ungeschlagen in 400+ Kämpfen (Vale Tudo & BJJ)
- Royce Gracie: UFC-Legende, machte BJJ weltweit berühmt
- Marcelo Garcia: Der technisch perfekteste Grappler aller Zeiten
- Roger Gracie: 10x Weltmeister, dominantester BJJ-Wettkämpfer
- Gordon Ryan: Aktuell bester No-Gi-Grappler der Welt
Was ist Brazilian Jiu-Jitsu?
BJJ ist eine Bodenkampfkunst, die sich auf Kontrolle, Positionierung und Submissions (Aufgabegriffe) konzentriert. Im Gegensatz zu schlagbasierten Kampfsportarten geht es nicht um K.O.s, sondern darum, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen.
Die Philosophie
- Technik über Kraft: Ein 60kg BJJ-Black Belt kann einen 100kg Anfänger kontrollieren
- Position vor Submission: Erst dominante Position erarbeiten, dann finishen
- Lebenslanges Lernen: BJJ ist unendlich komplex – selbst Black Belts lernen täglich Neues
- Ego-Check: Du wirst „getappt“ (zur Aufgabe gezwungen) – das lehrt Demut
BJJ Training bei uns
Unser BJJ-Programm folgt der Gracie-Linie (Nova Uniao) und ist für alle Levels geeignet. Wir trainieren Gi (mit Kimono) und No-Gi (ohne Kimono, ideal für MMA).
Anfänger-Training (White Belt)
Perfekt für totale Neulinge:
- Fundamentals: Die wichtigsten 36 Techniken (Gracie Combatives Curriculum)
- Grundpositionen: Guard, Mount, Side Control, Back Control
- Escapes: Wie man aus schlechten Positionen entkommt
- Basis-Submissions: Armbar, Triangle, Rear Naked Choke
- Shrimping & Bridging: Grundlegende Bewegungsmuster
- Takedowns: Einfache Würfe und Trips
- Drill-Methode: Techniken durch Wiederholung verinnerlichen
- Light Rolling: Sanftes Sparring (erst nach 3 Monaten empfohlen)
Fortgeschrittenen-Training (Blue/Purple Belt)
- Erweiterte Techniken: Komplexe Sweeps, Passes, Submissions
- Guard-Variationen: Spider Guard, De La Riva, X-Guard, Butterfly
- Passing-Systeme: Wie man die Guard des Gegners überwindet
- Submission Chains: Von einem Griff zum nächsten fließen
- Live Rolling: Freies Sparring gegen Partner verschiedener Levels
- Strategieentwicklung: Deinen persönlichen Stil finden
Wettkampf-Vorbereitung (Brown/Black Belt)
Für ambitionierte Athleten:
- Turnier-spezifische Taktiken (IBJJF, ADCC, etc.)
- Conditioning (BJJ-Wettkämpfe sind auszehrend!)
- Gameplan-Entwicklung gegen verschiedene Gegner-Typen
- Video-Analyse eigener Kämpfe
- Mentales Coaching
Die wichtigsten BJJ-Techniken
Positionen (Hierarchy of Positions)
Im BJJ gibt es eine Hierarchie – manche Positionen sind dominant, andere defensiv:
Bottom Positions (von unten):
- Guard (Rückenlage): Du kontrollierst den Gegner mit deinen Beinen
- Closed Guard: Beine um die Hüfte verschlossen
- Open Guard: Beine offen, Kontrolle durch Griffe
- Half Guard: Ein Bein des Gegners kontrolliert
- Spider Guard: Griffe an Ärmeln, Füße in Bizeps
- De La Riva: Fuß hakend am Bein des Gegners
Top Positions (von oben – dominant):
- Side Control: Seitlich auf dem Gegner liegend, Kontrolle über Schulter und Hüfte
- Knee on Belly: Knie auf dem Bauch des Gegners – schmerzhaft und kontrollierend
- Mount: Sitzend auf der Brust des Gegners – sehr dominant
- Back Control: Rücken genommen, Hooks gesetzt – die beste Position (schwer zu entkommen)
Punktesystem (IBJJF):
- Takedown: 2 Punkte
- Sweep (Umdrehen aus der Guard): 2 Punkte
- Guard Pass (Guard überwinden): 3 Punkte
- Mount/Back Control: 4 Punkte
Submissions (Aufgabegriffe)
Submissions zwingen den Gegner zur Aufgabe (Tap). Es gibt zwei Hauptkategorien:
1. Chokes (Würger):
- Rear Naked Choke (RNC): Von hinten, Arm um den Hals – der häufigste Finish
- Unterbricht Blutzufuhr zum Gehirn → Bewusstlosigkeit in 5-10 Sekunden
- Triangle Choke: Beine um Hals und Arm des Gegners – klassischer Guard-Finish
- Guillotine: Frontwürger – kann im Stehen oder am Boden ausgeführt werden
- Arm Triangle: Wie ein Triangle, aber mit deinem Arm statt Bein
- Ezekiel Choke: Mit dem eigenen Gi (oder Arm) den Hals würgen
- Bow and Arrow: Von hinten, Kragen und Hosenbein greifen
- D’Arce Choke: Arm umgreifen und durch den Hals führen
- Anaconda Choke: Wie D’Arce, aber anderer Winkel
2. Joint Locks (Gelenkhebel):
- Armbar (Juji-Gatame): Arm überstrecken – reißt Ellbogen
- Kann aus fast jeder Position ausgeführt werden
- Kimura: Schulterhebel – rotiert den Arm nach hinten
- Benannt nach Masahiko Kimura, der Helio Gracies Arm damit brach
- Americana: Wie Kimura, aber Arm rotiert nach vorne
- Omoplata: Schulterhebel mit den Beinen
- Kneebar: Kniehebel – überstreckt das Knie (nur für fortgeschrittene Levels im Training)
- Heel Hook: Fersenhebel – rotiert das Knie (extrem gefährlich, verboten in vielen Turnieren)
- Toe Hold: Zehenhebel – verdreht den Knöchel
- Wrist Lock: Handgelenkhebel (oft unterschätzt)
Takedowns (Würfe und Trips)
Wie man den Kampf zu Boden bringt:
- Double Leg: Beide Beine greifen, Gegner zu Boden bringen (aus dem Ringen)
- Single Leg: Ein Bein greifen, Finish mit Trip oder Lift
- Guard Pull: Sich selbst in die Guard ziehen (im Sport-BJJ üblich)
- Judo Throws: O-Goshi (Hüftwurf), Seoi Nage (Schulterwurf), Uchi Mata (Innerer Schenkelwurf)
- Ankle Pick: Knöchel greifen und wegziehen
Escapes (Befreiungen)
Die wichtigsten Fähigkeiten – aus schlechten Positionen entkommen:
- Mount Escape (Upa): Bridge and Roll – Gegner von der Mount abrollen
- Side Control Escape (Shrimp): Hüfte bewegen, Raum schaffen, Knie reinschieben
- Back Escape: Hand Fighting, Hüfte drehen, Hooks entfernen
- Headlock Escape: Aus dem Kopfklemmer befreien
- Turtle Position: Defensive Haltung auf allen Vieren (temporär)
Guard Passing
Wie man die Guard des Gegners überwindet:
- Toreando Pass: Beine zur Seite schieben, schnell vorbei
- Knee Slice Pass: Knie durch die Beine des Gegners schieben
- Stack Pass: Gegner zusammenfalten, Gewicht nach unten
- Leg Drag: Bein des Gegners hinter seinen Körper ziehen
- X-Pass: Beine kreuzen und kontrollieren
Sweeps (Umdrehen)
Von unten (Guard) nach oben kommen:
- Scissor Sweep: Klassischer Sweep aus Closed Guard
- Hip Bump Sweep: Hüfte hochwerfen, Gegner umkippen
- Butterfly Sweep: Mit Butterfly Hooks den Gegner hochheben
- X-Guard Sweep: Beine X-förmig, Gegner umwerfen
Gi vs. No-Gi
Gi (mit Kimono)
- Traditionell: Der klassische BJJ-Anzug (weiß, blau oder schwarz)
- Griff-intensiv: Kragen, Ärmel, Hosenbein – mehr Kontrollmöglichkeiten
- Langsamer: Mehr Reibung, technischer
- Mehr Submissions: Collar Chokes, Ezekiel, Loop Choke, etc.
- Gürtel-System: Weiß → Blau → Lila → Braun → Schwarz (dauert 10-15 Jahre bis Black Belt)
No-Gi (ohne Kimono)
- Rashguard & Shorts: Keine Griffe an Kleidung
- Schneller: Weniger Reibung, explosiver
- MMA-relevant: Direkter Transfer zu MMA-Kämpfen
- Leg Locks: Mehr Beinhebel im No-Gi (Heel Hooks, Kneebars)
- Submission Only: Viele No-Gi-Turniere haben keine Punkte, nur Submissions zählen
Bei uns trainierst du beides! Wir glauben: Gi macht dich technisch, No-Gi macht dich athletisch.
Das Gürtel-System
BJJ hat das längste Gürtel-System aller Kampfsportarten:
- White Belt (Weiß): Anfänger – lerne die Basics (6-24 Monate)
- Blue Belt (Blau): Du kennst die Fundamentals und kannst rollen (2-3 Jahre)
- Purple Belt (Lila): Fortgeschrittener – du entwickelst deinen Stil (2-3 Jahre)
- Brown Belt (Braun): Experte – du bist gefährlich für fast jeden (1-2 Jahre)
- Black Belt (Schwarz): Meister – aber das Lernen hört nie auf!
- Coral Belt (Rot/Schwarz): 7. Grad – nur für Legenden (nach 30+ Jahren)
- Red Belt (Rot): 9./10. Grad – Grandmaster (nur 5-10 Menschen weltweit)
Stripes: Auf jedem Gürtel gibt es 4 Stripes (weiße Klebeband-Streifen), die Fortschritt markieren.
Zeit bis Black Belt: Durchschnittlich 10-15 Jahre regelmäßiges Training!
Warum BJJ?
Selbstverteidigung
90% aller realen Kämpfe enden am Boden – BJJ gibt dir dort die Kontrolle.
Das „Schach“ des Kampfsports
BJJ ist intellektuell – du löst Probleme, nicht nur physisch.
Für jeden geeignet
Alter, Geschlecht, Größe, Kraft – egal. Technik schlägt alles.
Kein Schlagkontakt
Perfekt für alle, die nicht geschlagen werden wollen, aber dennoch kämpfen möchten.
Ego-Check
Du wirst „getappt“ – das lehrt Demut, Geduld und Respekt.
Community
BJJ-Schulen sind wie Familien – du trainierst mit denselben Leuten jahrelang.
Häufige Fragen
Muss ich fit sein, um zu starten?
Nein! BJJ macht dich fit. Anfänger trainieren in ihrem Tempo.
Ist BJJ gefährlich?
Nein – im Gegensatz zu Schlag-Sportarten gibt es kaum Gehirnerschütterungen. Wenn ein Hebel weh tut, tappst du einfach (klopfst ab).
Wie lange dauert es bis zum Blue Belt?
Bei 2-3 Trainings pro Woche: 1-2 Jahre. Jeder ist anders.
Kann ich als Frau BJJ machen?
Absolut! Viele Frauen lieben BJJ, weil Technik wichtiger ist als Kraft.
Brauche ich einen Gi?
Am Anfang nicht – wir haben Leih-Gis. Wenn es dir gefällt, kaufst du dir einen (ca. 60-100€).
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